Heilpädagogische Tagesgruppe

Die Heilpädagogische Tagesgruppe der Arbeiterwohlfahrt ist eine familienergänzende und –unterstützende Hilfe. Das hierfür angemietete Haus am westlichen Stadtrand von Michelstadt wurde im Juni 2003 eröffnet. Dort werden bis zu acht Kinder im Alter von sechs bis 12 Jahren (Aufnahmealter) mit psychosozialen Problemen und/oder starken schulischen Belastungen oder Überforderungen an den Wochentagen von pädagogischen Fachkräften betreut und gefördert. Die Verweildauer beträgt bis zu zwei Jahre.

Die Kosten für die Tagesgruppenbetreuung (§ 32 SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfegesetz) oder Eingliederungshilfe für seelisch Behinderte nach § 35a SGB VIII werden vom Jugendamt des Odenwaldkreises übernommen. Voraussetzung ist die Notwendigkeit zur Durchführung der Erziehungshilfemaßnahme. Die gemeinsam erstellte Hilfeplanung bildet die Grundlage der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und den Eltern, die ihre aktive Mitarbeit erklären. Weitere Stellen, wie Schule und niedergelassene Therapeuten sind im Hilfeprozess eingebunden und werden bei Bedarf hinzugezogen (zum Beispiel Kinder- und Jugendpsychiatrie, Tagesklinik und Institutsambulanz Höchst). Auf Wunsch kann das Kind vor Aufnahme die Gruppe und ihren Alltag an einem bis zwei Tagen kennen lernen. Bei Bedarf kann eine Probezeit von 6 Wochen vereinbart werden.

 

Zum Auftrag der „Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe“

Der Aufenthalt eines Kindes in einer Tagesgruppe soll seine soziale Entwicklung durch soziales Lernen in der Gruppe, durch Begleitung seiner schulischen Förderung und Elternarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib in seiner Familie sichern. Darüber hinaus sollen bei Kindern, die seelisch behindert oder von Behinderung bedroht sind, diese Behinderung oder deren Folgen beseitigt oder gemildert, sowie eine Wiedereingliederung in das soziale Umfeld erreicht werden.

Regelmäßige Gespräche und Hausbesuche bilden die Basis für eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern. Diese soll maßgeblich zu tragfähigen, sozialen und emotionalen Eltern-Kind-Beziehungen beitragen, die familiären Ressourcen aktivieren und die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag bestärken. Die Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigtenbleiben in ihrer vollen Erziehungsverantwortung. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben Hilfe, Beratung und Unterstützung im jeweiligen Familiensystem, sind aber keine Ersatzeltern.

Die pädagogisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Schlüssel 1:2,75) werden unterstützt durch einen Zivildienstleistenden, einer Mitarbeiterin im Freiwilligen Sozialen Jahr, einem Hausmeister und einer Reinigungskraft. Zur fachlichen Anleitung und Reflexion finden Teamsitzungen, Fallbesprechungen und die Teilnahme an Supervision, Fachberatung und Fortbildung statt. Die Teamarbeit übt die soziale Offenheit, Koordinations- Kooperationsbereitschaft und fördert somit die kritische Auseinandersetzung und das Verantwortungsbewusstsein für das eigene Handeln.

Zur Lage des Hauses und seiner Angebote

Die Tagesgruppe befindet sich in einem freistehenden Einfamilienhaus in ruhiger und verkehrsarmer Stadtrandlage von Michelstadt. Das Haus ist umgeben von einer großen Grünfläche mit Bäumen, Sträuchern und vielfältigen Spielmöglichkeiten. Den Mittelpunkt des Hauses bildet der große Gruppen-, Ess- und Spielraum mit Zugang zur Terrasse. Vorhanden sind ferner ein Bewegungsraum, Therapieraum, eine voll ausgestattete Küche, zwei Gruppen- und Hausaufgabenräume mit Ruheplatz, Werkräume, Waschräume mit Toilette, Büro- und Teamräume, Personaltoiletten und eine Garage.

Die Kinder werden nach Ende des Unterrichts durch einen eigenen Fahrdienst von der Schule abgeholt und nach Ende des Betreuungstags wieder nach Hause gefahren. In den Ferien findet ein Freizeitangebot statt.

Zur konkreten Förderung der Kinder und den Zielen der Tagesgruppe

Bei der Aufnahme des Kindes in die Einrichtung geht es zunächst darum, dass es sich entsprechend seines persönlichen Entwicklungsstandes in den Tagesablauf und in das Gruppengeschehen zu integrieren lernt. Sein individuelles Verhalten beziehungsweise seine individuelle Symptomatik begreifen wir dabei als eine Reaktion auf sein bisheriges soziales Umfeld. In der weiteren, engen Zusammenarbeit mit den Eltern ist es unser langfristiges Ziel, durch eine auf den jeweiligen Hilfebedarf des Kindes abgestimmte Förderung, eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Dies geschieht einerseits dadurch, dass wir den Eltern die psychischen Hintergründe des bisherigen Verhaltens ihres Kindes versuchen transparenter zu machen und mit ihnen andererseits Handlungsalternativen für den Alltag mit dem Kind zu Hause erarbeiten und unsere weitere Unterstützung bei deren Umsetzung anbieten.

Für die Kinder selbst bietet der tägliche Aufenthalt in der Gruppe den Erwerb und die Festigung lebenspraktischer Fertigkeiten, beispielsweise durch die Übernahme von Aufgaben im Tagesablauf (Ämter) oder Anleitung bei der Hygiene. In den erlebnis- und freizeitpädagogischen Angeboten erlernt das Kind Neues, es kann hier gezielt gefördert und in seinen Fähigkeiten und Interessen unterstützt werden. Einzel- und gruppentherapeutische Angebote (beispielsweise Musik, Einzelgespräche, Einzelspielstunde und Bewegung) helfen den Kindern mehr Zugang zu sich selbst zu finden. Das persönliche Bezugsbetreuersystem fördert zusätzlich die individuelle Unterstützung und bietet den Raum, emotionale Themen zu bearbeiten.

Im einzelnen werden folgende Ziele definiert

  • Erweiterung der Handlungskompetenz
  • Stärkung der sozialen Kompetenz, Grenzen erkennen und akzeptieren
  • neue Wege der Kommunikation und Konfliktbewältigung üben
  • neue Wege erlernen, Beziehungen zu knüpfen und Verantwortung zu übernehmen
  • Zugang zu sich selbst finden, Selbstbewusstsein und Selbstkonzept entwickeln
  • Gefühlen adäquat Ausdruck verleihen
  • Förderung des selbstständigen Entscheidens und Handelns
  • Interessen und Fähigkeiten unterstützen und fördern
  • Übernahme von Verantwortung im Gruppenalltag
  • Begleitung der Eltern zur Stärkung der Erziehungskompetenz, mit dem Ziel, der Erhaltung des sozialen Umfelds

Voraussetzung hierfür ist ein klar geregelter Tagesablauf mit den für alle Kinder gleichermaßen geltenden Haus- und Gruppenregeln. Die verlässliche, wiederkehrende Struktur bietet einerseits Sicherheit, verlangt andererseits eine gewisse Anpassungsleistung an die Gemeinschaft. Durch das Miteinander mit anderen in der Gruppe erfährt das Kind darüber hinaus mehr über sich selbst, seine Stärken, aber auch seine Schwächen und Grenzen. Die Begleitung dieses Prozesses wird durch die Betreuer unterstützt und begleitet. Dem Kind eröffnen sich neue Wege der Konfliktbewältigung und Kommunikation, es kann ausprobieren und lernt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

 

Kontakt

Heilpädagogische Tagesgruppe
Mossauer Str.9
64720 Michelstadt

Tel.: 0 60 61 - 96 97 88
Fax: 0 60 61 - 96 97 90
E-Mail: tagesgruppe-mi@awo-odenwald.de