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AWO BeWo

Foto: Torsten Hormel. Jungs aus dem Betreuten Wohnen der AWO und Ehrenamtliche beim Brensbacher Begegnungsfest am 17.06.2018.

In nur einem Jahr zum Realschulabschluss

Nezam Molayi (2.v.r.) hat es geschafft, bei der Abschlussfeier der Georg-August-Zinn Schule in Reichelheim am 15.Juni stand er in einer Reihe mit seinen Mitschülern der 10c. Sie alle halten nun voller Stolz ihr Realschulabschlusszeugnis in den Händen. Erst zum Schuljahresbeginn war Nezam aus der DAZ- Klasse (Deutsch als Zweitsprache) in die Regelklasse des Realschulzweigs gewechselt. Für dieses Ziel musste Nezam hart arbeiten, viel Zeit investieren und Durchhaltevermögen beweisen.
Der junge Afghane ist Anfang 2016 mit vielen anderen jungen Geflüchteten in der AWO-Jugendhilfeeinrichtung in Affhöllerbach angekommen. Als diese Einrichtung bereits Mitte 2017 geschlossen werden musste, ist der AWO-Kreisverband in die Bresche gesprungen. Mehrere Wohnungen in Brensbach und Michelstadt wurden angemietet um einigen der jungen Geflüchteten, die mittlerweile im Odenwald angekommen waren, in Form von Betreutem Wohnen den Verbleib im Landkreis zu ermöglichen. Unter ihnen auch Nezam Molayi.

Betreutes Wohnen beweist sich als Erfolgsmodell

Christian Senker ist Teamleiter der AWO Flexiblen Hilfen im Odenwaldkreis: „Wir haben das Betreute Wohnen Mitte letzten Jahres aus der Not heraus entwickelt. Nun haben wir 8-9 Plätze fest in unserem Team der Flexiblen Jugendhilfen etabliert. Zum 1.Juli konnten wir eine weitere Wohnung anmieten.“ Das Betreute Wohnen ist eine teilstationäre Betreuungsform im Rahmen der Jugendhilfe nach SGB VIII und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren. Ziel ist es junge Menschen auf ein eigenständiges Leben mit beruflichen und persönlichen Perspektiven vorzubereiten. Die Herkunft spielt dabei keine besondere Rolle. „Unser Team stellt den Rahmen durch professionelle Begleitung, arbeitet motivierend und ermutigt die jungen Menschen zur Zielstrebigkeit ihr eigenes Leben aktiv zu gestalten. Wir fördern und erwarten Selbstständigkeit“ so Senker.

Junge Geflüchtete mehrheitlich in Berufsausbildung gestartet

Fast alle der jungen Menschen, die durch die AWO im Odenwaldkreis betreut werden, haben mittlerweile eine Berufsausbildung begonnen oder einen Lehrvertrag für das kommende Ausbildungsjahr in der Tasche. Einen großen Anteil daran haben die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulsozialarbeit der Schulen im Odenwaldkreis, wie an der BSO in Michelstadt und der GAZ in Reichelsheim.
Auch das Jugendamt ist ein wichtiger Partner, wie Senker betont: „Im vergangenen Jahr hatten wir sehr positive Erfahrungen mit den zuständigen Jugendämtern, auch im Odenwaldkreis. Die Kooperation ist professionell und wertschätzend im Sinne der jungen Menschen, damit diese ihre Ziele erreichen können.“ Der Sozialarbeiter weiß aber auch, dass das zivilgesellschaftliche Engagement im Odenwald enorm hoch ist. Viele Menschen wie Gisela Hormel (1.v.l.) und Günther Brüne (3.v.l.) bieten ihre Unterstützung an, zum Beispiel in Form von Nachhilfeunterricht. „Durch diese Kontakte entstehen positive Begegnungen, zum Teil entwickeln sich echte Freundschaften. Wir begrüßen diese Bereitschaft sehr, es ist auch im Sinne des AWO Leitbildes, professionelle Dienstleistung und ehrenamtliches Engagement, gleichwertig und ergänzend zu sehen. Wird eine Jugendhilfemaßnahme beendet, sind wir raus, das Ehrenamt aber bleibt“.

Hohe Akzeptanz und Bereitschaft bei vielen Betrieben in der Region

Bereits im vergangenen Jahr hat Ahmadzia Tuchi (1.v.r.) seine Ausbildung bei der Bäckerei Friedrich in Brensbach begonnen. Abdulqahar Mohammadi (2.v.l.) macht eine Ausbildung zum Maler- und Lackierer bei der Firma Volk in Reichelsheim und Ali Hashemi (3.v.r.) ist in der Lehre zum KFZ-Mechatroniker beim Autohaus Suzuki in Darmstadt. Andere werden in diesem Jahr ihre Ausbildung bei Elektro Vornoff in Brensbach, beim Friseursalon Schwarz-Scollato in Michelstadt und bei der Firma Schneider in Höchst/Mümling-Grumbach beginnen. Ohne Anstrengung gab es diese Chancen aber nicht, alle haben sich zuvor durch Praktika oder Aufnahmeprüfungen bewiesen.
Mit seinem Realschulabschluss in der Tasche wird Nezam Molayi nach den Sommerferien seine Ausbildung zum Verkäufer bei der Herrnmühle in Reichelsheim beginnen.

 

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Arbeiterwohlfahrt: Ein stabiler Eckpfeiler für sozialen Zusammenhalt im Odenwaldkreis

MICHELSTADT – Hebammen, die jungen Eltern helfen, Betreutes Wohnen für Jugendliche und junge Volljährige, Schulsozialarbeit, Beratung nach Scheidung oder bei drückenden Schulden – die Hilfsangebote der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Odenwaldkreis decken fast die ganze Palette eines Lebens ab. Wie sich bei der Kreiskonferenz 2018 in Michelstadt zeigte, hat der Verband sein Betreuungs- und Dienstleistungsangebot weiter ausgebaut. Dabei setzt die AWO auf eine gesunde Mischung aus Ehrenamtlichkeit und Professionalität.

Neu im Angebotsspektrum sind die Sozialarbeit an der Grundschule Wersau sowie Leistungen im Betreuten Wohnen für Jugendliche und junge Volljährige. Wie Kreisvorsitzender Dr. Michael Reuter und der nach krankheitsbedingtem Ausscheiden des langjährigen Geschäftsführers Edmund Hofmann-Protze als Nachfolger berufene Oliver Hülsermann erinnerten, gab es mit der Gründung der AWO Senioren und Pflege Odenwald gGmbH und der Beteiligung des Bezirksverbandes Hessen-Süd zudem strukturelle Veränderungen in den Pflegeeinrichtungen.

Worte des Dankes galten den mehr als 200 hauptamtlichen Mitarbeitern ebenso wie den vielen ehrenamtlichen Helfern in den Ortsvereinen. Das von der Arbeiterwohlfahrt in Michelstadt betriebene Mehrgenerationenhaus wurde auch 2018 vielseitig genutzt; dort werden Kurse, Veranstaltungen, Seminare, Schulungen, Qualifizierungsmaßnahmen und offene Begegnungen angeboten. Familienzentrum, Familienbildungsstätte, Kindertagespflege und diverse Beratungsinstanzen sind ebenfalls in diesem Gebäude untergebracht. Zudem haben dort die Flexiblen Hilfen nach SGB VIII (Ambulante Hilfen und Betreutes Wohnen für Jugendliche und junge Volljährige) sowie der Betreuungsverein ihre Anlaufstellen.

Unter Regie von Bettina Finger fanden in der Familienbildungsstätte 45 Kurse in den Themenfeldern „Babyschwimmen“ sowie „Babys, Kinder und Jugendliche“ statt. Bei allen anderen Angeboten ging es um familiäre Lebensqualität und die Sicherung individueller Chancen auf Bildung, Ökonomie, Lebensgestaltung und Gesundheit. Zudem gab es Fortbildungslehrgänge für Kitas.

Von der Kindertagespflege wurden 152 Jungen und Mädchen an 51 Odenwälder mit Pflegeerlaubnis vermittelt. Bei mehr als 500 Geburten im Landkreis wurden 304 Frauen im Krankenhaus besucht und über Hilfsangebote informiert. 42 Familien haben Hausbesuche von AWO-Hebammen in Anspruch genommen.

Für die vom Jugendamt an die AWO delegierten 33 Trennungs- und Scheidungsberatungsfälle wurden 190 Arbeitsstunden aufgewendet. In belastenden Lebenssituationen wurden 17 Mutter-Kind-Kuren in die Wege geleitet. Ebenfalls hilfreich war die Schwangerschafts- und Schwangerschafts-Konfliktberatung, die in 61 Fällen aufgesucht wurde. Dabei ging es oft um soziale Probleme, Überschuldung und Arbeitslosigkeit.

Schuldnerberatung mit sinkenden Zahlen

In Reichelsheim, Beerfelden, Höchst und Bad König fanden vier mobile Jobberatungs-Termine statt. Entgegen dem deutschlandweiten Trend war bei der Schuldner- und Insolvenzberatung ein Rückgang der zu bearbeitenden Fälle zu verzeichnen; von 328 neuen Mandanten befanden sich 138 im Leistungsbezug, 42 Mandanten waren selbstständig.

Für Kinder und Jugendliche gab es das Angebot „Klettern“, Ferienfreizeiten, Spielmobileinsätze, Kinderfilm-Treffs. Für das Betreute Wohnen für Jugendliche und junge Volljährige wurden in Brensbach, Nieder-Kainsbach und Michelstadt insgesamt vier Wohnungen angemietet. Die heilpädagogische Tagesgruppe besuchten zum Jahresende fünf Jungen und drei Mädchen.